Creative Commons Musik für eigene Projekte nutzen
Kostenlose Musik für eigene Projekte
Das leidige Thema »Copyright«
Eins vorweg: Kostenlose erstklassige Musik im Web zu finden, die man obendrein auch noch kommerziell verwerten darf, gibt es so gut wie gar nicht. Dahingegen entdeckt man jedoch kostenlose und gute Musik, die man für nichtkommerzielle Projekte verwenden darf. Man muss “nur” Zeit in die Suche stecken und mit dem Rechteinhaber der Musik kurz per Email eine Absprache treffen.
Ansonsten beachtet man am Besten das Copyright, das Urheber schützt. Ansonsten mutiert ein YouTube-Video zu Werbezwecken mit einem GEMA-Song schnell zum finanziellen Supergau. Generell gilt:
Creative Commons-Lizenzen: Eine Alternative zum herkömmlichen Copyright
Die Creative Commons-Organisation bietet frei nutzbare und rechtlich einwandfreie Lizenzen für kreative Werke. Die Foundation ist aber keine rechtliche Beratungsstelle noch fungiert sie als Verwertungsgesellschaft für Kreative, wie z.B. die GEMA für Musiker. Auch bei Copyright-Verstößen greift die Organisation nicht ein. Sie kümmert sich ausschließlich auf die Förderung der Idee der kreativen Allmende und um die Anpassung der Lizenzen auf die rechtliche Lage in den Ländern auf diesem Planeten.
Die Idee hinter den verschiedenen Creative Commons-Lizenzen (kurz CC-Lizenzen) ist die Vereinfachung der Kommunikation zwischen Kreativen und Nutzern ihrer Werke. Während Kreative für Ihre Produktionen in weniger als fünf Minuten die zu ihnen passende Lizenz auf creativecommons.org zusammengeklickt haben, erhält der Nutzer von Creative Commons-Inhalten einen Link zu einem leicht verständlichen Lizenzvertrag. Hinter diesem verbirgt sich auf einen zweiten Klick ein juristisch einwandfreier Vertrag als auch eine von (Such)Maschinen lesbare Lizenz.
Pro und Contra Creative Commons
Die CC-Lizenzen werden von zahlreichen kommerziellen und nichtkommerziellen Plattformen genutzt. So ermöglicht z.B. die erweiterte Suche von Flickr.com, eine Recherche nach CC-Inhalten. Auch die Texte und zahlreichen Bilder der Wikipedia wurden unter CC-Lizenz veröffentlicht. Darüberhinaus nutzen zahlreiche Organisationen die Lizenzen, um sicher zu stellen, dass Nutzer ihre Inhalte schnell und unkompliziert verwenden können.
Wie oben bereits erwähnt, überwacht die Creative Commons-Organisation nicht, wer, wie die Lizenzen nutzt. Auch überprüft die Foundation nicht, ob die Lizenzen korrekt von Kreativen verwendet werden. Und das ist der besondere Knackpunkt an dem Modell. Findet man z.B. auf Flickr CC-lizensierte Bilder, garantiert weder Flickr noch die Creative Commons, dass die Angaben korrekt sind. Es könnte sich auch um Inhalte einer kommerziellen Datenbank handeln, die ein Benutzer illegalerweise hochgeladen und mit einer falschen Lizenz versehen hat. So wimmelt z.B. auch die Musik des Budabeats Netlabels voller Samples anderer Künstler. Trotzdem versieht das Netlabel seine Musik mit einer CC-Lizenz.
Um deswegen Abmahnungen vorzubeugen, empfiehlt es sich immer vor der Verwendung von Creative Commons-Material beim Produzenten nachzufragen, z.B. per Email.
FTP-Server für digitale Kultur(schätze)
Wenn es um freie Inhalte geht, dann ist das Internetarchiv, die größte Quelle neben der Wikipedia im Web. Auf Archive.org findet man Terrabytes an Text-, Audio-, Bild- und Videomaterial, welches in die Public Domain gefallen ist oder unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlicht wurde.
Doch nicht alle Inhalte können für eigene Projekte genutzt werden. So darf man zwar Live-Mitschnitte von Jack Johnson in CD-Qualität herunterladen, diese jedoch nicht frei benutzen. Dahingegen bietet sich jedoch die unter Creative Commons veröffentlichte Musik von Netlabels hervorragend für nichtkommerzielle Projekte an. Ein großer Nachteil von Archive.org ist, es handelt sich bei der Website um ein Archiv. Wer nicht weiss, wonach er sucht, muss viel Zeit ins Stöbern investieren: wie in einer Bibliothek. So artet das Wühlen nach verwertbarer Musik schnell in Frust aus.
Ein großartiges Beispiel, wie man jedoch Inhalte von Archive.org kreativ nutzen kann, führt Mario Sixtus mit seinem Video-Projekt »Elektrischer Reporter« vor Augen. Zahlreiche auf Archive.org heruntergeladene Filme benutzte der Journalist für seine Sendungen.
Scene.org: Der Ursprung der Netlabel-Kultur
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Rein theoretisch sind Netlabels nichts anderes als Musiklabels, die ihre Musik ausschließlich digital anbieten. Trotzdem unterteilen sich Netlabels in zwei vollkommen unterschiedliche Lager: Während die eine Seite der Netlabels, das Web als kommerziellen Distributionsweg nutzen, verschenken die anderen Netlabels ihre Musik an ihre Hörer. In der Regel veröffentlichen diese Netlabels ihre Musik unter einer Creative Commons-Lizenz.
Der erste öffentliche Parkplatz für diese freie Musikbewegung war und sind die FTP-Server von Scene.org. Unter de.scene.org/pub/music/groups/ laden noch heute Netlabels ihre freien Musikdownloads hoch. Wie beim Internet Archiv, muss auch hier viel heruntergeladen, gehört und ausgewertet werden. Anschließend empfiehlt sich die Suche nach der dazugehörigen Lizenz. Diese liegt leider oft nicht im jeweiligen Verzeichnis, sondern findet sich auf der Website des jeweiligen Netlabels, sofern dieses noch besteht.
MP3-Musikmagazine
Im Web tummeln sich zahlreiche Blogs, die sich auf MP3-Rezensionen von CC-Musik spezialisiert haben. Über diese Blogs findet man oft leicht neue Netlabel-Musik, sofern einem der Geschmack der jeweiligen Schreiber gefällt. Ein besonderes Merkmal dieser Blogs sind neben der Kategorisierung und Verschlagwortung der Musik die hauseigenen Compilations. Diese Creative Commons-Musikcompilations eignen sich besonders gut, um neue Netlabels und Musikquellen zu erschließen. Hier eine Auswahl an MP3-Magazinen:
- Netlabels.de (deutsch)
- Phlow-Magazine.com (englisch)
- Phlow.es (spanisch)
- Podcast von Machtdose (englisch)
- FreeAlbums.blogsome.com (englisch)
- Blocsonic (englisch)
Free Music Archive

Die Ordnung die Archive.org fehlt, findet man im Free Music Archive. Das umfangreiche Free Music Archive kategorisiert nicht nur Musik, sondern gewann in den letzten Jahren zahlreiche Kuratoren, die Musik thematisch und geschmacklich bündeln. Zu den Kuratoren gehört z.B. die Redaktion der Netzkultursendung Breitband auf dradio. In Kooperation mit dem Videoportal Vimeo ist auch das Portal For NonCommercial Video Producers entstanden, das Musik für nichtkommerzielle Videoproduktionen sammelt. Diese Musik eignet sich unter anderem für Werbetrailer, wie z.B. das Werbevideo für die iPad-Magazin-App DONE.
Auch was für Profis: Das Musikportal Jamendo

Jamendo.com ist das größte Creative Commons-Musikportal im Web. Neben dem Download kostenloser Musik bietet Jamendo auch eine Pro-Variante über welche man GEMA-freie für kommerzielle Zwecke lizensieren kann. Um einwandfreie Verträge zu garantieren hat Jamendo eigene Verträge mit CC-Künstlern abgeschlossen. Somit eignet sich das Portal hervorragend, um gute preiswerte Musik auch für kommerzielle Zwecke zu finden. Eine Alternative mit ähnlicher Ausrichtung ist magnatune.com.
Musik von Netlabels

Mit Netlabels verhält es sich so, wie mit den alten CD- und Vinyl-Musiklabels: Es gibt gute und jede Menge schlechte. Nein, eigentlich gibt es noch mehr schlechte. Netlabels vergleicht man am Besten mit Blogs. Ob die Inhalte des jeweiligen Blogs hochwertig, seriös und fremde Quellen ausgewiesen sind, entscheidet der Blogger. Genauso verhält es sich auch bei Netlabels. Weil Webspace nichts kostet, wird im schlimmsten Fall auch alles veröffentlicht, was auf der Festplatte liegt. Doch wie bei Blogs, entdeckt man oft Netlabels, die über die Jahre kontinuierlich hochwertige Produktionen veröffentlichen. Eine kleine Auswahl an Netlabels:
- Indiemusik: Aaahh-Records.net
- Reggae: Jahtari.org
- Techno: Broque.de
- House: Supafeed.net
- Ambient & Electronica: Sutemos.net
- Downbeat: Buddabeats.com (Vorsicht viele fremde Samples)
Anmerkungen zum Artikel
Titelbild: ImageStamper timestamp for www.flickr.com/photos/obie/505082130/